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Filzkreationen von Anke Assmann
von Kathrin Fischer (19.12.08)

Mein Verhältnis zu Filz war jahrelang nicht gerade herzlich. Ich kannte Filz nur in drei schrecklichen Manifestationen, welche in aufsteigender Reihenfolge diese sind: Hausschuhe aus Filz in gemütlich süddeutscher Optik, Dekorationsobjekte für die engagierte Hausfrau zu jeder Gelegenheit, Osterhasen, Weihnachtsmänner oder einfach hübsche Dingsda - und - sogenannte „originelle“ Schmuckstücke wie etwa Ketten aus bunten Filzkugeln, wie sie die frauenbewegte Oberstudienrätin ab fünfzig gerne trägt.

Ganz klar: Mit Filz wollte ich nichts zu tun haben.

Und dann erzählte mir meine beste Freundin Anke, dass sie einen Filzkurs in der Volkhochschule mitmache. Als studierte Architektin mit zwei Kindern hatte sie keine Chance, in ihrem projektbezogenen Beruf einen Halbtagsjob zu kriegen und war deshalb auf der Suche nach Aufgaben und Geldquellen.

Au Backe, dachte ich, hoffentlich schenkt sie mir keine selbstgefilzten Eierwärmer. Doch genau das tat sie.

Und ich war hingerissen von den drei schlanken Filzhüten, die mich wie trotzige Zwerge von meinem Frühstücksteller anfunkelten. Irgendwie hatte meine Freundin Anke das Wunder vollbracht, Wesen statt Eierwärmer zu filzen. Auch, wenn sie heute mit diesen in ihren Augen unoriginellen Anfängen ihrer Kunst nichts mehr zu tun haben will: Diese ersten drei Eierbecher, so grob sie auch gefilzt sein mögen, besitzen bereits die Qualität, die seitdem alle Kleidungsstücke und Objekte besitzen, die Anke Assmann filzt: Ihre Schals, Hüte, Stulpen, Oberteile, Röcke und Kleider aus Seide und Filz wirken auf ihren Kleiderbügeln wie zufällig in den Raum gewehte Fabel- oder Märchenwesen: ein blaugrüner Rock wie eine Meerjungfrau, ein rotes Oberteil wie ein König, ein puderfarbenes Kleid wie eine Prinzessin. Alle haben sie eine Seele. Oder, wenn man es weniger pathetisch mag: Sie besitzen Ausstrahlung. Und zwar keine, die aus applizierter Spielerei bestünde. Dazu ist meine Freundin Anke zu sehr Architektin: Die meisten ihrer Kleidungsstücke und Objekte sind graphisch schlicht. Aber originell. Es ist eine Originalität, die natürlich aus Material und Form erwächst, und die es auch Menschen wie mir erlaubt, die nicht gerne allzu auffällige Kleidung tragen, diese Gegenstände zu tragen. Was ich ausgiebig tue mit regelmäßig geschlechtstereotypen Reaktionen. Frauen rufen aus: „Nein. Das ist aber schön, toll, ungewöhnlich, wunderbar. Wo hast Du das denn her?“ Männer brummen Witze wie: „Da hat der Stoff wohl nicht gelangt oder weshalb ist der Schal gezackt?“ Meine Freundin ist überzeugt, sie habe diese Geschlechterrollen mittlerweile aufgebrochen: „Stell Dir vor“, hat sie mir letztens am Telefon erzählt, „ich habe jetzt auch Sachen für Männer.“ „Ach was“, hab ich geantwortet, „und was soll das sein?“ „Filzbilder“, hat sie akustisch gestrahlt, „Ich hab Bilder gefilzt, die sehen ganz toll aus.“ Ich zweifle nicht daran. Nur daran, dass Männer sich so was kaufen. Aber vielleicht gibt es ja einen avantgardistischen Zahnarzt, der sich Filzbilder in seine Praxis hängt.

Ansonsten kann ich nur jedem raten, der ein originelles Geschenk für eine gute Freundin, seine Liebste oer seinen aufgeschlossenen Liebsten sucht, sich auf die Internetseite www.feltro.de zu begeben und Kontakt mit meiner Freundin Anke aufzunehmen, die bürgerlich Anke Assmann heißt. Die meisten ihrer gutgehenden Kunststücke produziert sie auf Bestellung. Zugegeben, ganz günstig sind die Sachen nicht, dafür aber hochwertig, und ungewöhnlich. Stulpen kosten 35 Euro, ein Schal zwischen 70 und 120 Euro, einen Hut kriegt man ab 100 Euro und Kleidungsstücke fangen bei 190 Euro an.

Ach ja: Die Filzbilder. Die sind echt günstig. Da ist man schon mit 50 Euro dabei.